Offensichtliche Beweise für den Einsatz von Streu- und Phosphor- Munition in Gaza – in Deutschland kein Thema?

Internationale Medien haben in den letzten Tagen über einen Einsatz von Streu- und Phosphormunition bei der Bombardierung des Gazastreifens berichtet. Es lägen aber keine Beweise für einen solchen Einsatz vor, wird immer noch eingeschränkt. Frau sollte schon aussprechen, was sie sieht. Sie kann sich aber auch täuschen:

Der deutschen Leit- und Qualitäts-Journalie genügt diese Aussage selbstverständlich (Google-News-Ergebnisse, 10.01. 2008: Phosphorbomben / Streubomben). SpOn, Springer & Co. schließen fest die Augen, denn mehr als Augenschein wäre nicht nötig, um zu sehen, was da von unseren Verbündeten auf die Leute geschmissen wird.

Bilder wie links (Fototrecke via Reuters) kann man derzeit ständig in den TV-Nachrichten sehen. Achtet auf die Explosionswolke am Himmel über Gaza – vermutlich setzt eine CBU-87 ihre Bomblets frei.

Die CBU-87 ist eine Waffe zum Einsatz gegen weiche Ziele (Kinder, Hunde und Kätzchen). Je nach Art der Sub-Munition werden 200 bis 300 Bomblets über dem Ziel freigesetzt. Es gibt Varianten für Explosions-, Splitter- oder Brandwirkung. Die Bilder aus Gaza legen nahe, dass die israelische Luftwaffe derzeit Brandwirkung durch Weißen Phosphor bevorzugt.

Als Vergleich, ein Video der US-Luftwaffe: F16 Dropping CBU-87 Cluster Bombs; via YouTube. Die eingesetzte Submunition erzeugt Splitterwirkung – ansonsten sind Zerlegung und Bodenwirkung der Geschosse ähnlich wie auf den Bildern aus Gaza oder?

Eigenes Update: Manchmal bin ich dann doch zu schnell. Die Times berichtet von 155 Millimeter Artilleriegranaten (geeignet für alle Art M 109-Panzerhaubitzen) des Typs M825A1. Das sind Rauchgranaten, allerdings mit viel Phosphor. „Smoke projectiles are used for smoke screens, obscuring smoke, and marking targets for aircraft.” globalsecurity.org

Wir werden genau zu denen, die wir am meisten fürchten.
[Bildnachweis: Reuters/eigene Montage]

5 Gedanken zu „Offensichtliche Beweise für den Einsatz von Streu- und Phosphor- Munition in Gaza – in Deutschland kein Thema?

  1. friedelp

    Hava Nagila, Hava Nagila … Entschuldigung.

    Die Times meint ja, bei den israelischen Truppen am Gaza-Streifen amerikanische M825A1-Phosphor-Projektile identifiziert zu haben.

    Schöne Musikuntermalung übrigens in dem Clusterbomben-Werbespot.

  2. Gustav Freischütz

    Noch nie hat Phosphoroxid, aus dem der hübsche Rauch vorwiegend besteht, zu Lungenembolien geführt, weil die Opfer zuvor ihren Verbrennungen erlagen. Außerdem steht auf den Granaten nur “M825A1″ drauf. Drin ist nach Auskunft der Israelischen Streitkräfte aber nichts. Vor allem kein Phosphor. Sie bewerfen die Palästinenser einfach mit leeren Blechdosen. Wegen der Menschenrechte.

  3. Alexander Otto

    155 Millimeter Granaten zur Zielmarkierung und Einnebelei – das scheint einfach Etikettenschwindel zu sein. Die Munition wird als Rauchgranate deklariert und so werden keine lästigen Kriegswaffen-Konventionen verletzt. Juristisch einwandfrei.

  4. Chefarztfrau Artikelautor

    Das sieht nach einer Art Zerlegungs- oder Streumunition aus. Die beiden eingekreisten Objekte bewegen sich wie Dartpfeile auf die Explosion ZU – für Granatsplitter eher ungewöhnlich. Auch auf den Feuerball selbst laufen ZWEI Spuren zu:An explosion is seen as missiles fired from an Israeli aircraft fall towards a target in the northern Gaza Strip, as seen from the Israeli side of the border, Thursday, Jan. 1, 2009. (AP Photo/Gil Nechushtan)

    [Quelle: Bildauschnitt AP Photo/Gil Nechushtan via Boston Globe]

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