Zwei neue PML-Erkrankungen durch Tysabri
03. August 2008 – Mit einer Horror-Meldung versaut Biogen Idec 31.800 Multiple-Sklerose- Patienten nicht nur das Wochenende:
Erneut sind Leute während der Tysabri-Therapie an PML (progressive multifokale Leukenzephalopathie) erkrankt – diesmal in Europa. Update: Vollständige Liste aller PML-Erkrankungen unter Tysabri (Stand: Dezember 2008)
Ein Patient wurde mit Tysabri als Ersttherapie über 17 Monate behandelt. Laut Aussage von Biogen ist sein Zustand stabil. Er soll sich in ambulanter Behandlung befinden.
Das zweite Opfer hat vorher andere Medikamente (Azathioprin & Betainterferon) erhalten und ist nach 14 Monaten Monotherapie erkrankt. Der Patient liegt im Krankenhaus. Über seinen konkreten Zustand wurden keine Angaben gemacht.
Dazu die Stellungnahme des Herstellers gegenüber der DMSG: Neue PML-Fälle unter Natalizumab und die Biogen-Originalmeldung vom 31.08. 2008.
Von zwei Todesfällen, wie das Ärzteblatt berichtet [am 04.08. korrigiert], kann also noch nicht die Rede sein. Allerdings sind die Behandlungsaussichten der PML schlecht, wenn sich die Funktion des Immunsystems nach Absetzen einer immunsuppressiven Behandlung nicht rasch erholt. Um die Tysabri-Konzentration im Blut der Patienten schnell zu senken, wird daher eine Plasmaparese durchgeführt [PLEX-Studie]. Zur medikamentösen Therapie kann zusätzlich experimentell Cidofovir eingesetzt werden [Der Nervenarzt, 10/1999]. Bei frühzeitiger Diagnose ist die PML bei MS-Patienten auf diese Weise vermutlich beherrschbar. Welche zusätzlichen Behinderungen sie aber erleiden, bleibt schwer abzuschätzen.
Die Börsen reagierten auf die Biogen-Meldung natürlich unverzüglich. Die US-Kurse von Biogen Idec und Elan fielen am Freitag im nachbörslichen Handel um 23 beziehungsweise 45 Prozent. Damit wurde auch den Investoren das Wochenende eingetrübt.
Anmerkung des Verfassers: Bezogen auf die Zahl der behandelten Patienten (lt. Biogen 31.800) beträgt das Risiko einer PML-Erkrankung gerade mal 1:16.000. Trotzdem gefriert mir, bei dem Gedanken daran das Blut, denn der Tod durch PML ist ein erbärmliches Schicksal.
Alexander Otto
… zurück in die myelounge »
Am 4. August 2008 um 17:48 Uhr
Das ist richtig Frau Schön. Leider lässt sich ein PML-Ausbruch aber nicht einfach im Blutbild nachweisen. Dazu ist eine Liquor-Analyse notwendig (autsch). PML-Verdacht entsteht erst, wenn der Patient neue und evt. ms-untypische neurologische Ausfälle erleidet. Dafür sollten Patient und Arzt unbeding sensibilisiert sein. Trotzdem ist Panikmache erst mal unangebracht.
Am 4. August 2008 um 18:49 Uhr
Klar sind die Risiken bekannt Frau Schön. Trotz allem setzt man große Hoffnungen in solch ein Medikament und dann schockt es natürlich, wenn bekannt wird, dass zwei Menschen an den Nebenwirkungen gestorben sind. Und dann schwupp, nächsten Tag ist es eine Ente und beide sind noch wohlauf.
Da häufen sich die Frage:
Wem glaubt man noch bei der Berichterstattung? Als ginge es nicht um sehr viel Geld…
Und lohnt sch das Risiko?
Am 8. August 2008 um 18:02 Uhr
Das ist ein sehr guter Hinweis.
)
Ich schwankte zwischenzeitlich zwischen “Schwarz und Weiß”.
Eine Pause einzulegen ist mal eine grau Überlegung, die ich bis jetzt außer Acht ließ.
Nach zwei Jahren eine Pause einzulegen, darauf wurde eh schon mal in einschlägiger Literatur hingewiesen. Warum nicht schon eher?
Werde alles noch mal mit Arzt und Krankenhaus durchsprechen und verbleibe mit Dank an Herrn Otto
Am 30. Oktober 2008 um 17:27 Uhr
Schlechte Neuigkeiten: neuer PML-Fall in den USA
Am 7. November 2008 um 08:12 Uhr
Hallo, Alexandra,
nach der wievielten Infusion hast du eine Besserung bemerkt? Habe vor 2 Wochen allerdings erst die 2. Infusion bekommen, und es hat sich bei mir bis jetzt nichts verbessert, mein Laufen ist in dieser Zeit noch schlechter geworden!!
)
Warte sehr auf eine Besserung. Ich muss aber auch dazu sagen: Geduld war leider noch nie meine Stärke
Gruß
Ulrike
Am 9. November 2008 um 08:58 Uhr
Hallo,
wie ich am 04.08 andeutete lege ich nun nach der 12 Infusion eine Pause ein.
Mit der Option wieder anfangen zu können.
Den letzten Anstoß hat mir der 3. NEUE Fall kürzlich gegebe..
Jedoch muss ich sagen, dass es mich sehr beunruhigt zu lesen, was Herr Otto am 10.08 geschrieben hat.
Dazu muss ich direkt mal meine Oberarzt anmailen…
Neue Infos immer gern gelesen.
Danke und alles Gute
Susanne
Am 9. November 2008 um 09:21 Uhr
Hi Susanne,
Glückwunsch zu der rationalen Entscheidung. Ich hoffe, ich bin im Januar ähnlich konsequent. Dummerweise bleiben meine Handlungen “gerne” mal hinter dem eigenen Erkenntnishorizont zurück …
Danke für’s Feedback und natürlich viel Glück!
Alex
ähhh … Herr Otto
Am 21. November 2008 um 14:51 Uhr
nur kurz: MRT und großes Blutbild, keine LP
Grüße
Am 27. November 2008 um 18:09 Uhr
Ein leidlich lesbarer Artikel zur Geschichte der monoklonalen Antikörperin aus der FAZ: Antikörper für den kranken Körper
Am 6. Dezember 2008 um 19:39 Uhr
Hi Paul,
eine definitiv verlässliche Prognose der MS ist leider nicht möglich. Es gibt aber ganz brauchbare Anhaltspunkte: Prognose-Kriterien
Klar ist das alles nur so ungefähr und irgendwie und Ausnahmen bestätigen das Gegenteil etc, aber mehr kann Dir derzeit niemand sagen. Dazu beruhen diese Annahmen auf Beobachtungen aus der Vergangenheit. Wie sich die Aussichten bei frühzeitiger Therapie mit den aktuellen Medis verbessern, ist schwer absehbar.
Für Panik ist kein Grund – aber Scheiße kann man natürlich trotzdem nicht polieren …
Grüße aus Köln
Alex
Am 15. Dezember 2008 um 21:31 Uhr
Es gibt wieder schlechte News Leute: Neuer PML-Fall in Europa