Tysabri-Nebenwirkung-PML: Sind europäische Neurologen mitverantwortlich, namentlich die Deutschen?
28. Oktober 2009 – Eine böse Frage, doch irgendwie naheliegend. Die meisten der 24 bestätigten PML-Fälle traten in Europa auf, insbesondere in Deutschland. Könnte es einen Zusammenhang zwischen der scheinbar höheren PML-Prävalenz in Deutschland und mangelnder ärztlicher Kompetenz geben?
Wird die Überwachung der Patienten hierzulande gar zu lax gehandhabt, möglicherweise unverantwortlich und unprofessionell?
Besonders unzureichender zeitlicher Sicherheitsabstand zu immunsuppressiven Therapien wie Mitoxantron und Azathioprin, aber auch zu den immunmodulierenden Interferon- Präparaten, könnte die beklagenswerte PML-Anfälligkeit unserer Landsleute erklären (gewiss überzeugender als irgendeine genetische Prädisposition).
Biogen Idec versucht deshalb schon seit mindestens zwölf Monaten, die Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und deutschen/europäischen Behandlungszentren zu in- tensivieren.
Tysabri sollte nur in einer strukturierten Umgebung verordnet und verabreicht werden. Für selbstherrliche Heilversuche ist das Gefahrenpotential der monoklonalen Antikörper ganz offensichtlich zu groß.
Geradezu gotteslästerlich für den freien deutschen Facharzt. David Phillips; via bnet.com …»
(Der Artikel ist auch in Google-Übersetzung leidlich verständlich.)
Alexander Otto
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Disclaimer/Haftungsausschluss
Am 28. Oktober 2009 um 18:25 Uhr
Ja Alexander
,
Deutschland hat ein Problem mit seiner Mediziner-Kaste. Nicht nur, dass durch scheinbar (?) willkürliche Tys-Verordnungen das Leben der Patienten und die weltweite Verfügbarkeit einer hochwirksamen Therapie gegen die schubförmige MS gefährdet ist, auch ein hochinnovatives Pharmaunternehmen und seine Aktionäre werden für diesen Dillitantismus abgestraft. Vermutlich ist einfach die „Anreizstruktur“ im deutschen Gesundheitswesen die Falsche.
Grüße
Alti
Am 28. Oktober 2009 um 19:02 Uhr
Freies Spiel den Marktkräften – so alutet das Credo unsere vermeintlichen Politiker-Elite. Ob im Finanzwesen oder bei der Medizin – Regulierung sit Gift. Fragt sich nur für wen?
Deutschland als unregulierter Leitmarkt für die Preise in Osteuropa verspricht hohe und höchste Gewinne bei entsprechenden Verordnungszahlen. Hochpreisige Medikamente sind aus den Budgets der Neurologen draussen – Pharmareferenten bieten nette Addons in Form Geld und Sachpreisen.
Was hindert als den geneigten Kollegen Neurolegen daran kräftig das “innovatisvste Medikament” zu verschreiben. Vorallem wenn er Patienten gegenüber sitzt, die angestacheltt durch die Versprechungen ihre vermeintlichen Selbsthilfeorganisation ” nur das Beste” für sich wollen. Das ist doch eine wunderbare win-win-win Situation.
Der Patient ist zufrieden, hat er doch das Neueste und Teuerste was ihm auch sein Verbandsverreter empfehlen. Der Arzt ist glücklich, weil er einen glücklichen Patienten hat – und er hat ja das Beste getan. Nicht zu vergessen die Bonuspunkte die ihm sein auch so glücklicher Pharmavertreter gutschreibt.
Nicht zu vergessen die selbsthilfeorganisation, die glücklich sit, daß ihre ploitischen Bemühungen Früchte tragen und ihre Mitglieder nur das Beste bekommen was es auf dem Markt gibt. Nicht zu vergessen, daß die Spenden der Pharma auch reichlich fliessen.
Und es geht natürlich weiter mit den glücklichen Menschen – auch die Krankenkasse ist glücklich – hat sie zwar viel Geld ausgegeben aber dem Patienten geht es ja soooo gut – da wird das Geld sicher wieder reingespart. Und nicht zuletzt der Aktionär – dank florierender Umsätze auch er glücklich über steigende Kurse, hohe Dividende.
Man sieht die deutsche Verschreibungspraxis macht alle glücklich – wirklich alle?
Nicht ganz – da gibt es doch so ein paar Spielverderber die da doch einfach ein heimtückische Krankheit bekommen – PML. Und das auch noch dem tollen Medikament anlasten. Pfui wie übel. Für die Patienten? Ja auch – aber die anderen in diesme Monopoly leiden ja noch viel mehr.
Fallende Verordnugnen – weniger glückliche Patienten – weniger Bonus für die Ärzte – die Pharmareferenten haben weniger in der Tasche – Umsatz Gewinn und Dividende gehen zurück und keienr lacht mehr . Nicht mal mehr die SHG denn wundersamerweise bleiben die Spenden aus.
Und keiner will der Speilverderber gewesen sein – bleibt nur einer (oder besser 23) dem man die A-Karte geben kann . Aber der hat sie bereits gezogen ….
Am 30. Oktober 2009 um 17:26 Uhr
Hallo zusammen,
@Meckerle
Ich mach’ mir auch Sorgen, aber man sollte doch die Kirche beim Dorf lassen:
1. Krankenkassen freuen sich definitiv nicht, wenn Tys verordnet wird. Meinem Neurologen wird seitens der Krankenkasse permanent mit Regress gedroht; er solle mir Mitox verordnen, da das dem Wirtschaftlichkeitsgebot entspreche (sprich billiger ist). Dass Mitox für RR-MS nicht zugelassen ist, stört die Kasse nicht. Ich glaube nicht, dass Tys unbedacht verordnet wird. Mabs sind eine ganz neue, aber hochpotente Wirkstoffklasse, mit der man noch keine Erfahrungen hat. Wir sind sozusagen die Pioniere, die Anwendungsversuchskarnickel, wenn man’s unschön ausdrücken will. Ich darf mal daran erinnern, was passiert ist, als man Anfang der 50er Jahre Cortison synthetisieren konnte: Wundermittel! Super. Und Jahre später wusste man, was das “Wundermittel” anrichten kann.
Ich hab’ den Eindruck, dass die jetzige Ärztegeneration diesbezüglich so einiges gelernt hat. Leichtfertig handelt da niemand mehr.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die letztlich doch sehr engen Indikationskriterien für Tys umgangen werden können. Da schauen die Kassen aber ganz genau drauf.
2. Hat schon mal jemand dran gedacht, ob die vielen PML-Fälle in Deutschland damit zusammenhängen, dass in Deutschland die meisten Anwender sitzen? In GB z.B. dürfte es schwierig sein Tys vom NHS bezahlt zu bekommen, die zahlen meines Wissens nicht mal die Interfererone. Auch in den USA wird es wohl nicht viele geben, die sich Tys leisten können oder von einer Krankenversicherung bezahlt bekommen. Mir fällt auf, dass die Länder, in denen PML vergleichsweise häufig auftritt, auch ein äußerst potentes, solidarisches Gesundheitssystem haben (Deutschland, Schweiz, Schweden). Weiß irgendjemand, wie sich die Gesamtzahl der Anwender auf die einzelnen Länder verteilt? Mir ist schon klar, dass das nichts an der Zahl der PML-Fälle ändert, aber man könnte dann vielleicht aufhören, auf den angeblich so unfähigen deutschen Neurologen herumzuhacken.
3. Natürlich hat Biogen den Aktienkurs im Blick. Ist ja prinzipiell nichts Schlechtes. Die Frage ist nur, ob man deswegen die Anwender für dumm verkaufen muss.
Viele Grüße an alle
Jutta
Am 30. Oktober 2009 um 18:22 Uhr
Hallo Jutta,
das waren die PML-Risiken basierend auf den Anwender- und Fallzahlen bis Ende Juli 2009 (Quelle: Biogen-Update)
Region Anwender PML-Fälle Promille Risiko
USA 22.000 3 0,1364 1:7.333
Europa 21.000 8 0,3810 1:2.625
Deutschland 5.500* 5 0,9091 1:1.100
gesamt 43.000 11 0,2558 1:3.909
* laut inoffiziellen Angaben
ich gehe davon aus, dass sich die Anwenderzahlen seitem proportional gesteigert haben. Bei den PML-Ausbrüchen ist das jedoch nicht der Fall.
Beste Grüße
Alex
Am 5. November 2009 um 17:38 Uhr
Ich habe bisher eine Tysabri-Patientin. Die habe ich in enger Zusammenarbeit mit einem MS-Zentrum eingestellt.
Für mich ist es offen gesagt nicht nachvollziehbar, dass es Kollegen gibt, die schon ganze Tysabri-Tage machen, da sie 10 und mehr Patienten darauf eingestellt haben. Ich habe keine geringe Zahl an MS-Patienten, so dass ich es mir hierdurch auch nicht erklären kann.
Für mich ist schon auch eine Erklärung das Marketing des “hochinnovativen Pharmaunternehmens” (@alteri). Sehr lukrative “Anwendungsbeobachtungen” verführen wohl manchen dazu, die Einschlusskriterien für Tysabri großzügiger auszulegen.
Für mich ein nicht gangbarer Weg. Alle Innovationen bergen dieses Risiko X und ich gehöre – als Anwalt meiner Patienten – dann lieber zu den abwartenden Ärzten, um X besser einordnen zu können.
Nihil nocere !!!