Briefzusteller im Wettbewerb gegen Steuerzahler und Mitarbeiter

Ein Monopol, oh Schreck! Seit Adam Smith wissen wir, da kommt nichts Gutes bei heraus. Es ist es nur konsequent, das Geschäft für den Wettbewerb zu öffnen. Alles wird nämlich gut, wenn die Marktteilnehmer sich marktkonform verhalten können.  Können.

Wir, die Kunden, werden den Postzusteller mit dem besten Preisleistungsverhältnis beauftragen. Damit der Anbieter das kann, muss er Arbeit so kostengünstig wie möglich einkaufen. Soweit so gut oder schlecht, denn selbstverständlich gehören die Arbeitnehmer ebenfalls zum Spiel von Angebot und Nachfrage. Doch diese Leute verhalten sich absolut unmarktwirtschaftlich. Sie bieten ihre Leistung zu einem Preis an, der ihre Kosten nicht deckt. Der Mindestpreis für eine hauptberufliche Arbeitsleistung ist das sogenannte sozioökonomische Existenzminimum. Das war schon zu Adam Smiths Zeiten so. Wer länger unterhalb dieses Minimums fronte, der verhungerte. So verknappte sich das Arbeitsangebot quasi biologisch und der Preis der Arbeit stieg wieder.

Heute haben wir uns vom reinen Sozialdarwinismus verabschiedet. Wir gewähren allen Mitbürgern eine Mindestabsicherung. Für Langzeitarbeitslose heißt diese Leistung ALG2. Auf den Arbeitsmarkt müsste das ALG2 eigentlich wie ein Mindestlohn wirken. Erstaunlicherweise tut es das aber nicht. Statt dessen arbeiten die tapferen Briefzusteller nicht nur bei Wind und Wetter, sondern holen sich nach getaner Arbeit das fehlende Geld zum Lebensunterhalt bei der Arbeitsagentur. Ganz schön blöd oder? Nein, die Leute sind nicht dumm, ihnen bleibt einfach keine andere Wahl. Durch finanzielle Sanktionen zwingt die Behörde sie in Jobs zu Armutslöhnen.

Das hat unschöne Konsequenzen, nämlich Transferleistungen in die falsche Richtung: Herrn Gersters Arbeitgeberverband “Neue Brief- und Zustelldienste“ will sich nicht nur Arbeitskosten vom Staat subventionieren lassen, sondern PIN, TNT & Co. werden mit ihren Dumpinglöhnen auch der Post AG Konkurrenz machen. Die befindet sich zu 30,5 Prozent im Bundesbesitz. Erwirtschaftet das Unternehmen Verluste, gehen die dann auch noch zu Lasten der Steuerzahler. So werden Gewinne privatisiert und Kosten sozialisiert.

Übrigens: CSU-Chef Huber empfindet solche Mindestlöhne als eine schwere Sünde gegen die soziale Marktwirtschaft. Dann doch lieber Freiheit statt Asozialismus.

Ein Gedanke zu „Briefzusteller im Wettbewerb gegen Steuerzahler und Mitarbeiter

  1. Frank Kampmann

    Nur sind es leider nicht ‚wir‘ Kunden, also die Briefkastenbesitzer, sondern jene Minderheit von 15% der Versender,die uns mit 80% Werbesendungsaufkommen zu müllen und damit das Diktat üben; für uns Privatkunden interessieren sich weder die einen noch die anderen wirklich, wir sind Kostenverursacher!

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