Was hat die gemeinnützige Community Kaioo mit Bertelsmann zu tun?

bleiben gerne im Dunklen: Kreye und Praktikantin „Gar nichts“, sagt Kaioo-Chef Thomas Kreye im hauseigenen Promotionvideo. Wenn er so dezidiert antwortet, ist seine Aussage vermutlich formal richtig. Ganz unformal drängt sich eine gewisse personelle Nähe zur Gütersloher Meinungsschmiede auf.

Thomas Kreye war bis kürzlich noch Manager bei der Bertelsmann AG. Das ist für sich alleine betrachtet höchsten ehrenrührig, sicher aber kein Indiz für eine irgendwie relevante Verflechtung von Kaioo mit den Bertelsmännern. Wie er zum neuen Job kam, erzählt Kreye hier im Interview ..

Delikater ist der finanzielle Background der neuen Datensammelstelle. Die Anschub- finanzierung sponsert nämlich Herr Schmidt-Holtz. Der ehemalige Chefredakteur der beim Bertelsmann Verlag erscheinenden Illustrierten Stern und jetzige Geschäftsführer der Sony Bertelsmann Media Group trägt die Anlaufkosten von rund einer halben Millionen Euro für zwei Jahre aus eigener Tasche – nach eigener Aussage aus „Spaß an der Freud“.

Na gut, über Schmidt-Holtzens Spaßverständnis will ich nicht mal spekulieren. Immerhin befand Steffen Roski, Soziologe und Bertelsmann-Experte während eines Vortrags in Wuppertal am 7. Januar 2008 auf Anfrage: „Dass Bertelsmann bei Kaioo die Finger im Spiel hat, lässt sich an einer Hand abzählen“. Vom StasiVZ in die Bertelsmann-Datenbank?

Gerichtsfeste Beweise für eine Verflechtung von Kaioo und Bertelsmann gibt es trotzdem nicht. Da will ich sie auch nicht unterstellen. Vermutlich kämen wir derzeit erst per Waterboarding zu konkreteren Aussagen. Daher bewohnen eventuell entstandene Befürchtungen für’s erste noch das Reich der Spekulation. AGBs und Geschäftsformen lassen sich allerdings schnell ändern, so dass der jetzige Zustand nicht der endgültige bleiben muss.

Als Arbeitshypothese ist die Kaioo-Bertelsmann-Connection ziemlich beunruhigend. Wo Holtzbrinks StudiVZ lediglich Daten für Werbezwecke generiert, könnten bei Bertelsmann noch ganz andere Ziele verfolgt werden.

Zur Bertelsmann-Stiftung gehört unter anderem das Münchner Centrum für angewandte Politikforschung (CAP). Zur Kampagnenoptimierung sucht der marktradikale Think-Tank immer neue Zugänge ins öffentliche Bewusstsein.

Noch konkretere Verwendung für Nutzerdaten hätte die Bertelsmann-Tochter arvato AG. Diese „Logistikdienstleisterin“ verfügt über die größte kommerziell nutzbare Adressdatenbank Europas. Ihre Datenbestände liefert die arvato AG an Regierungen, Parteien und Großunternehmen rund um den Globus.

Bequemer wäre es, den eigenen Datenbestand direkt und regelmäßig dem Innenministerium zu überstellen. Dort bleibt wenigstens ein blasser Schein demokratischer Legitimation gewahrt. Ob sich das über die Bertelsmann-Gruppe so sagen lässt, bleibt hier ungesagt.

Übrigens: Kaioo ist als gemeinnützig anerkannt und Scientology wird sicher bald Religionsgemeinschaft – so what?

2 Gedanken zu „Was hat die gemeinnützige Community Kaioo mit Bertelsmann zu tun?

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