Feiertägliches Luftwurzelwerk: Moraltheoleugenik

»Haben moralische Überzeu(gu)ngen biologische Wurzeln?« fragt Joachim Müller-Jung in der FAZ. Leider bleibt es nicht bei einem lässlichen Tippfehler. Vermutlich glühweinsediert, liefert der entnervte Mann sein dürftiges Besinnlichkeitsstückchen zum Beginn des Darwin-Jahres. Mir haben die ersten Absätze jedenfalls völlig genügt. Mein Kommentar beschränkt sich auf deren ärgsten Aushub. Der bietet allerdings implizit eine Antwort auf o.g. Frage:

Der Kreuzzug, den die neuen Atheisten um Richard Dawkins gegen die Religionen angezettelt haben …

Nein, bitte nicht schon wieder! Obwohl selbst tiefreligiöse Idioten nicht – so sie denn den freundlichen Mr. Dawkins jemals live erlebt haben sollten – auf die absurde Idee kämen, es handele sich bei dem englischen Zoologen um einen Kreuzfahrer*, wird dieses Bild doch von den Kirchensteuerpächtern und ihren Hilfs-Apologeten beständig wiederholt.

Offensichtlich kann eine der Sache nach unzutreffende Aussage, im kultur(?)-evolutionären Sinn, sehr wohl enorm reproduktiv sein. Ausgerechnet hier greift ein Konzept vom bösen Ritter Richard: die Memetik (Das egoistische Gen, Kapitel 11 – Meme, die neuen Replikatoren).

Selbstverständlich ist es auch im Sinne der biologischen Selektion unbedingt ratsam, in religiös dominierten Mem-Milieus eben solche Ideen zu reproduzieren. Ob frau daran glaubt, ist dem Mem völlig egal. Nicht egal ist allerdings, ob frau verbrannt wird oder eben nicht. Das hat direkten Einfluss auf den Reproduktionserfolg des biologischen Mem-Vehikels und damit mittelbar auf den seiner bevorzugten Meme.

Daher ist Gottesfurcht definitiv ein Selektionsvorteil – und ein Argument gegen Feiertags- arbeit, Herr Müller-Jung (jom).

By the way: Warum werden in solchen Elaboraten notorisch Moral und Religion gleich- gesetzt, wegen etwaig anstehender Kreuzzüge?

* Wenn überhaupt, ziehen wir Atheisten zu Felde und nicht zu Kreuze.

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