Archiv der Kategorie: freier:markt

#Merkel fordert globale Verteilungsgerechtigkeit

DAVOS +++ Unsere geliebte und hochverehrte Mutter, die Führerin des neoliberalen Projekts Europa, Kanzlerin Angela Merkel, hat am 24.Januar 2013 auf dem World Economic Forum das Wort ergriffen. In gewohnt eloquenter Sprache und mit dem ihr eigenen ökonomischen Sachverstand hat sie den Kern der europäischen Misere herausdestilliert: «Europa hat heute noch etwa sieben Prozent der Weltbevölkerung. ( …) Gleichzeitig hat Europa annähernd 50 Prozent der Sozialausgaben der Welt.»
Im Sinne der planetaren Verteilungsgerechtigkeit müssen die Lebensbedingungen der globalen Nützlingspopulationen endlich angeglichen werden. Europas Anteil an den Weltsozialausgaben muss durch proaktive Reformen mit widerstandfähiger Dynamik auf ein faires Maß von sieben Prozent reduziert werden – damit wir auch morgen noch viel besser leben können.

#Konsistente Idiokratie LXXIII (Rabattschlächter)

KARLSRUHE +++ Der BGH stuft Boni als wettbewerbswidrig ein, weil sie die Entscheidungsfreiheit des Verbrauchers unangemessen beeinflussen.
Na ist klar: Preisnachlässe, Boni, Rabatte, Drauf- und Dreingaben sind sozialistische Gleichmacherei. Sie behindern und verwirren die armen Konsumenten unnötig.
[Idiokratie – die Doko-Soap]

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft von Sozialisten gekapert?

+++ Was ist da los? #INSM-Ökonomenblog: Der neueste Kauf einer CD mit Daten möglicher Steuerhinterzieher ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein – er war aber absolut richtig. Das noch zu ratifizierende deutsch-schweizer Abkommen reicht nicht aus. Steuerhinterziehern muss viel effektiver das Handwerk gelegt werden …
Das geht so nicht, Herr Roos! Ich hab‘ gleich mal eine Mail an den Martin Kannegiesser geschickt. Der wird ihnen das Handwerk legen. Steuerfaschismus.
[Update I]  Immerhin, auf die NRW-Piraten ist Verlaß. Udo Vetter will die Schatzinsel retten.
[Update II] Jetzt macht die OECD ernst, und die Schweizer Regierung verschweigt das Desaster – offenbar aus taktischen Gründen. Wird die Neuerung ruchbar, so könnte Deutschland merken, dass es durch das geplante Abgeltungssteuerabkommen mit der Schweiz womöglich das Recht auf Identifikation und angemessene Besteuerung seiner Steuerhinterzieher für lange Zeit verlieren wird. Bern will Deutschland einmal mehr für dumm verkaufen.

#Konsistente Idiokratie LXXII: (Eulenschwärmen gen Athen, Abflug!)

+++ Griechenlandrettung: Krieg der Elfengebeintürme eskaliert. Die bewährten teutonischen Spezialexperten bekommen nun von der olympischen Troika jeweils einen hellenischen Stadtstaat zugeteilt, um die Praxistauglichkeit ihrer Theorien im fairen Wettbewerb zu beweisen. Dem Sieger winkt eine Dauerkolumne (vierfarbig) in der Bild am Sonntag.
Δὶς παῖδες οἱ γέροντες.
[Idiokratie – die Doko-Soap]

#Hollande von Anlegern brutal abgestraft

PARIS +++ Angela, Guido und die deutschen Finanzspezialexperten hatten die Franzosen ja gewarnt. Eine sozialistische Machtergreifung würden die Finanzmärkte nicht ungestraft lassen: Prompt ist also die Zinsdifferenz zu Deutschland seit der Wahl von 146 auf 104 Basispunkte gestiegen. Die Zinsen für zehnjährige Anleihen dotieren derweil auf ihrem Allzeittief bei 2,41 Prozent. Armes Frankreich.

#Euro-Krise: „Unabhängige EZB“ treibt Inflation

+++ Hin und wieder erinnert sich die Chefarztfrau ihrer finsteren Milchmädchenvergangenheit und beginnt solcherart Kalkulationen. Die Apologeten des herrschenden Dogmas, ökumenische Spezialexperten, Qualitäts-Journalie und die politischen Organe des Marktes sind sich einig: nur eine unabhängige, also untätige Zentralbank schützt die Eurozone vor dem Inflationsgespenst. Hat das mal irgendjemand auf Plausibilität geprüft? Nö? Na gut, dann mache ich das halt: Weiterlesen

#Kapitalismusdebatte: Handelsblatt strikes back

+++ Jetzt ist Chefredakteur Garbor Steingart aber der Kragen geplatzt. Auf sechs Seiten verteidigt er seine freie Marktwirtschaft gegen eine halluzinierte Attacke aus dem FAZ-Feuilleton: Eine Treibjagd auf unsere Wirtschaftsordnung ist in Gang gekommen. Als Anführer der Jagdgesellschaft tritt der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher auf.
Und weil sogar ein echter Philosoph, nämlich Jürgen Habermas in Schirrmachers Horn blase (sic), lässt Garbor sich jetzt auch einen Philosophen blasen. Auf gleich zehn Seiten besorgt ihm das mit bekannter Raffinesse Peter Sloterdijk.
Den gescheiterten Revolutionär der gebenden Hände treibt derzeit besonders die Sozialdemokratisierung amerikanischer Milliardäre um.  Fazit des Geistestitanen, ein Piet-Klocke-Zitat: In jedem Chaos steckt stets ein Fünkchen Hoffnungslosigkeit.
Und in der Tat, der Hospitalismus mit dem die Jungs ihre leeren Worthülsen mittlerweile repetieren, lässt ihnen ein Fünkchen mehr Hoffnungslosigkeit als der feinen Jagdgesellschaft. In diesem Sinne Waidmannsheil.

schuldnerberatungsresistent

+++ Im FAZ-Feuilleton erklärt Michael Hudson mit deutlichen Worten die Basics der aktuellen Schuldenkrise: Interessen von Gläubigern sind nicht die der Demokratie. Bankenrettungen führen in die Oligarchie. Der Finanzsektor betreibt eine neue Art der Kriegsführung [Lesebefehl].
Derweil verwahrt sich Herr Steinmeier gegen den bloßen Gedanken an eine Reichensteuer – vermutlich liest er nur den Wirtschaftsteil der FAZ.