Warum noch mehr Deutsche in Afghanistan sterben müssen (I)

Germans to the Front - eine Verlierertruppe mit TraditionStell dir vor es ist Krieg und keiner merkt es? – Der Traum ist geplatzt. Alles Bagatellisieren half nicht, der Krieg hat sich vom Hindukusch bis in deutsche Wohnstuben und Leitartikel geschlichen. Da treibt er nun sein Unwesen:

Eine völlig unübersichtliche Gemengelage macht es auch für erfahrene Politopportunisten schwierig, die optimale Anpassungsleistung zu erbringen. Zum einen fordert der Wähler sein Recht, will heißen, die Hoffnung auf Wiederwahl sinkt vermutlich umgekehrt proportional zu den möglichen Verlustzahlen eines vergrößerten Expeditionscorps. Zwar wäre es wünschenswert, wenn sich die Politik in ihren Entscheidungen dem Volkswillen anpasste, doch Vox populi ist traditionell nicht das Primat deutscher Außenpolitik.
Neben den feigen Wählern fordern nämlich auch die atlantischen Bundesgenossen ihren Tribut. Geld- und U-Boot-Geschenke reichen jetzt nicht mehr. Der geforderte Vasallendienst soll zur Abwechslung mal ein Blutzoll werden. Finden zum Beispiel die Kanadier und warum sollten ausgerechnet die, mindestens so nette Leute wie wir, sich ohne uns für Uncle Sam totschießen lassen?
Die us-amerikanische Truppenanforderung hat jedoch einen noch viel trivialeren Grund: Hätte der Afghanistankrieg auch nur entfernteste Erfolgsaussichten, käme Deutschland mit einer Kostenbeteiligung davon. Grausamerweise sind solche Aussichten aber kaum noch darstellbar. Der dem Pazifismus gänzlich unverdächtige PSL dazu im Cicero: Raus aus Afghanistan. Ein demütigender Abzug wird irgendwann unvermeidlich. Spätestens dann, wenn der Führungsmacht das Geld ausgeht.

Den Sieg hätten die USA gewiss alleine beansprucht. Niederlagen dagegen werden traditionell doch lieber solidarisch erlitten. Da gilt die Faustregel: Siege nationalisieren, Niederlagen sozialisieren.
Macht euch also nichts vor: Krieg ist ein atavistisches Geschäft, da sind auch die Kernmotive atavistisch. Die Ausweitung unseres Engagement in Afghanistan soll ein Menschenopfer auf dem Altar der Bündnistreue werden. Alle anderen Argumente sind bloß vorgeschoben.

In Nibelungentreue gut geübt, dürfte das für uns Deutsche doch kein Problem sein oder?

[Bildnachweis: Wikipedia; gemeinfrei]

2 Gedanken zu „Warum noch mehr Deutsche in Afghanistan sterben müssen (I)

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