Das realexistierende Matriarchat: Liz und Friede

Abbildung entsprechendBerlusconi, Kirch und Murdoch sind eitle Gecken, da weiß jeder gleich was Sache ist. Ganz anders Frau Springer und Frau Mohn, die wirken aus dem dezenten Ambiente elitärer Kaffeekränzchen. Für allzu neugierige Journalisten gilt: Nur wer nicht schreibt, der bleibt. Wozu hat frau denn sonst ein Medienimperium?

Das Kindermädchen Friede (geb. Elfriede Riewerts) heiratete 1979 den 30 Jahre älteren Axel Cäsar Springer. Frau Springers Qualifikationen waren, euphemistisch gesprochen, sozialer Natur oder einfach natürlicher Art. Dazu kam viel Glück, denn ihr Axel war schon viermal verheiratet. Wäre der Mann etwas älter geworden, wer weiß, wer dann als dessen Witwe und Erbin zur Herrin über den größten Zeitungskonzern Europas avancierte? Weltanschaulich wacht die Axel-Springer-Stiftung über das geistige Erbe des Monarchen, doch mit Bild und Welt dominiert ein Ex-Kindermädchen das tagespolitische Agenda-Setting in der Republik – so sieht es dann auch aus (mitlesende Kindermädchen mögen mir verzeihen).

Die Telefonistin Liz (geb. Elisabeth Beckmann), kam an die Spitze, indem sie zunächst die Geliebte des 20 Jahre älteren, verheirateten Bertelsmannchefs Reinhard Mohn wurde. Schließlich ehelichte sie der Mann 1982. Mittlerweile vertritt Liz ihren greisen Gatten in der Leitung der Geschäfte – ein schnörkelloser Karriereweg (auch mitlesende Telefonistinnen mögen mir verzeihen).

Bertelsmann ist der fünftgrößte Medienkonzern der Welt. Das Bertelsmann-Imperium als Stiftung organisiert, ist auf nationaler und internationaler Ebene tätig. Heute hält die Stiftung mittelbar 76,9 Prozent des Aktienkapitals der Bertelsmann AG. Selbstverständlich ist das Steuerersparungskonstrukt gemeinnützig. NZZ: Gemeinwohl und Eigeninteresse …

Dass die Mädels ein paar wirklich gute Tricks auf Lager hatten, denken sicher nur Sexisten. Das ist alles bloß Sozialneid und Kastrationsphobie. Anders liegt der Fall bei Liz und Friedes Freundin Angie. Die unscheinbare Ex-FDJ-Sekretärin musste erst anstrengend Physik studieren und sich dann unter dem Mantel der Geschichte als „Kohls Mädchen“ belächeln lassen. Die Welt ist hart und ungerecht: soviel Sachkompetenz und Selbstbeherrschung – alles nur, um sich jetzt bei den Golden-Girls Weisung einholen zu dürfen? Das ist wirklich bitter!

Noch bitterer wird es allerdings, wenn wir demnächst alle bevormuttert werden:
In Großbritannien übernahm die Bertelsmanntochter arvato im Sommer 2005 die Bezirksverwaltung des Distrikts East Riding of Yorkshire. In einem Kreis von etwa der Größe des Saarlandes erhebt die arvato-AG im öffentlichen Auftrag Gebühren, zieht Steuern ein, zahlt Wohngeld aus und betreibt Bürgerbüros. arvato-government-services: Projekt East Riding

Das Vorhaben ist ein Pilotprojekt von strategischer Bedeutung – sagt Bertelsmann. Ich will nicht widersprechen, ein voll integriertes Public-Private-Partnership ist doch toll. Fand Franklin D. Roosevelt auch schon:

Die Freiheit einer Demokratie ist nicht gesichert, wenn die Bevölkerung das Wachstum privater Macht bis zu dem Punkt duldet, wo die private Macht mächtiger ist als der Staat selber. Das bedeutet in seiner Essenz: Faschismus.

Hoppla, wird wohl Zeit, solche Agglomerationen wirkungsvoll zu behindern. Quasi postretrolibertär und im Sinne demokratischer Selbstbehauptung gefragt: Wie war das mit der Gemeinnützigkeit?

Dann bis demnächst im Girls- nein im Dschungel-Camp …

[Bildnachweis: Eigene Grafik; CC License Deed 2.0

2 Gedanken zu „Das realexistierende Matriarchat: Liz und Friede

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