Der Vollständigkeit halber: Jetzt steht auch Biogen Idec zum Verkauf

Vollständig daher, weil damit auch der letzte Beta-Interferon-Hersteller den Besitzer wechseln soll. Nach der Schering AG und Serono sucht nun das wohl bekannteste Biotech-Unternehmen (WKN: 789617) einen neuen Besitzer.  

Biogen stellt sich selbst zum Verkauf … Und uns stellt sich die Frage, was haben die drei Firmen außer der Branche gemeinsam? Richtig, sie entwickelten und vermarkteten Medikamente gegen Multiple Sklerose. Diese bislang unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems ist in den westlichen Industrienationen weit verbreitet. Alleine in Deutschland sind bis zu 140.000 Menschen von dem Übel betroffen. Das Marktpotenzial ist also enorm und wird entsprechend erfolgreich genutzt. Weltweit wurden in 2006 etwa 5,81 Mrd. US-Dollar Umsatz von den Marktführern erzielt. In den vergangenen 18 Monaten kam es dann bereits zu zwei spektakulären Übernahmen: Bayer erwarb im Juni 2006 die Schering AG; und das Schweizer Biotech-Unternehmen Serono S.A . ging im September 2006 für 10,6 Milliarden Euro an die deutsche Merck KgaA. Beide Geschäfte waren übrigens alles andere als feindliche Übernahmen. Ganz im Gegenteil, die Verkäufer hinterließen fast schon einen erleichterten Eindruck.
Den lukrativen Markt teilen sich derzeit fünf Anbieter: Biogen mit seinen Präparaten Avonex® und Tysabri®, die Merck KgaA mit dem von Serono übernommenen Rebif®, Bayer mit Betaferon® aus dem Produktportfolio der kürzlich übernommen Schering AG und Teva Pharmaceutical & Sanofi-Aventis mit Copaxone® (kein Interferon-Präparat).

Trotz eines erfolgreichen Produktportfolios will sich nun auch Biogen selbst verkaufen. Ob das einen Grund hat? Klar, Unternehmensverkäufe sind immer finanziell motiviert. Neben der aktuellen Ertragslage gehört aber auch die Zukunftsperspektive mit ins Kalkül der Investoren. Wie bei der bereits veräußerten Schering AG und der Serono S.A. ist auch Biogens Hauptumsatzträger Avonex® ein Interferonpräparat mit relativer Wirksamkeit. Im Gegensatz zu den Konkurrenten verfügt Biogen aber über ein ganz neues Medikament mit Alleinstellungsmerkmal – Tysabri®: In drei Jahren mit über 100.000 AnwenderInnen und einem Umsatzpotenzial von über 3 Mrd. US-Dollar … Warum verzichtet Biogen auf die zu erwartenden Gewinne? Traut die Unternehmensführung dem zukünftigen Blockbuster doch nicht über den Weg? Immerhin hat es bis zur endgültigen Zulassung von Tysabri® einige Turbulenzen gegeben. 2004: Tote bei der Markteinführung …

Bleibt nur festzustellen: Das Vertrauen des aktuellen Biogen-Manegments in die Zukunft von Tysabri® ist nicht wirklich hoch, oder?

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