Steuerbescheid vom Buchclub: Public-Private-Partnership ist in Deutschland angekommen

„Das ist ein Markt von mehr als 20 Milliarden Euro, also so viel wie der derzeitige Umsatz von Bertelsmann.“ (Rolf Buch, Chef der Bertelsmann-Tochter arvato-AG, heute im Handelsblatt)

Und auf diesem Markt macht der Bertelsmann-Konzern jetzt in Deutschland richtig ernst. Erste Erfahrungen sammelte dessen arvato-AG bisher in Großbritannien. Dort übernahm die Firma im Sommer 2005 die Bezirksverwaltung eines Kreises von der Größe des Saarlandes. arvato-government-services: Projekt East Riding

In Würzburg wurde im April 2007 mit dem Outsourcing von kommunalen Dienstleistungen begonnen. Durch ein integriertes IT-System will die arvato-AG dort eine hocheffektive Kommunalverwaltung gewährleisten. Über eine zentrale eGovernment-Plattform werden bisher isolierte Verwaltungsabläufe zusammengeführt. Die wesentlichen Prozesse sollten bis 2008 – das wäre jetzt – realisiert sein. Die vollprivatisierte Stadt ist damit neudeutsche Realität – zumindest in Süddeutschland, der Heimat aller Wirtschaftsfachleute.

So kommt es, dass zwar die Behördenrennerei für die Bürger deutlich abnimmt, dafür verschickt aber künftig Bertelsmann die Strafzettel oder bearbeitet den Kindergeldantrag. Das sind doch feine Zukunftsaussichten.

Sicher sind schwerfällige Strukturen verabscheuungswürdig und schweineteuer. Bleibt allein die Frage, warum die öffentliche Hand nicht bloß die Konzeption outsourced, um die Ergebnisse dann in Eigenregie und unter demokratischer Kontrolle umzusetzen?

Obwohl, lassen wir die Bertelsmänner doch mal alles schön optimieren. Wenn sie fertig sind, wird der Konzern verstaatlicht vergesellschaftet und die Bande kann sich in ihre Liechtensteiner Postfächer verdrücken. Investitionen privatisieren, Gewinne sozialisieren! So einfach geht das – frau muss nur wollen.

In der Energieversorgung, der Abfallwirtschaft und in vielen anderen Bereichen öffentlicher Daseinsfürsorge beweist sich die Privatisierung bereits heute als teuerer Irrweg. Müssen wir das unbedingt noch für die Kommunalverwaltungen herausfinden?

Und wo endet das Outsourcing staatlicher Aufgaben, im ProMarkt-Knast oder mieten wir gleich die Landesverteidigung bei Blackwater?

Ein Gedanke zu „Steuerbescheid vom Buchclub: Public-Private-Partnership ist in Deutschland angekommen

  1. dorfdepp

    und die Gesundheitsvorsorger von *ayer und *li *illy kommen gleich selbst im braunen Kittel frei Haus und die Welthungerhilfe kommt von *onsanto?
    Bitte was?

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