Gut gebrüllt Löwe!

Gut festhalten, Tzipi!

Mit Voranmeldung mal eben 2.000 Kilometer fliegen, die iranische Luftabwehr neutralisieren, dann mindestens 70 Ziele nachhaltig(!) zerstören und pünktlich zum Frühstück zurück in Tel Aviv? Offensichtlich kein Problem, das der Welt als ernsthafte Option für einen israelischen Alleingang zu verkaufen.

Wozu sonst das ausführlichst kolportierte Luftwaffen-Manöver in Griechenland. Mittlerweile fabuliert jeder Knesset-Hinterbänkler vom bevorstehenden Luftschlag. Von einem Überraschungsangriff kann so wohl kaum noch die Rede sein.  Wenn die IDF in der Vergangenheit aktiv wurde, dann immer ohne Ankündigung: wie  jüngst in Syrien oder 1981 im irakischen Osirak. Warum also das Kriegsgeschrei? Sicher nicht, um die Iraner zu erschrecken. Das funktioniert nicht. Die kopieren noch ein paar Raketen extra ins nächste Manöverfoto.

Gesäbelrasselt wird, um den lendenlahmen Sicherheitsrat zu wirksamen Sanktionen gegen den Iran zu zwingen. Dass ein israelischer Angriff zumindest kurzfristig Irans unterstellte Atompläne verzögern könnte, mag schon sein [eigener Kommentar 1], aber zu welchem Preis? Genauer gefragt: zu welchem Ölpreis?

Als Gegenreaktion be- oder verhindern die Iraner dann nämlich den Tankerverkehr durch die Straße von Hormuz.  Da müssen so zwischen 20 bis 30 Prozent aller Weltrohöltransporte durchschippern. Eine Blockade dürfte die  Weltwirtschaft in eine hässliche Rezession stürzen. Das träfe wirklich alle.

Vielleicht verabschieden wir doch lieber ein paar richtige Wirtschaftssanktionen, auch wenn das die heilige Außenhandelbilanz kurzfristig im Promille-Bereich eintrüben könnte  oder?

Oder die Israelis rasten völlig aus. Nennt sich beim Pokern Tilt. Der tritt am häufigsten ein, wenn Spieler mehrere Bad Beats in Folge erwischen. So wie 2006 im Libanon. Das Spiel ist sehr einfach und sehr gefährlich.

[Bildnachweis: Fundstück; © Robin Banksy; GNU-Lizenz für freie Dokumentation; Version 1.2 ] 

5 Gedanken zu „Gut gebrüllt Löwe!

  1. Alexander Otto Beitragsautor

    Ja, ja – vor den Bigpoints immer erst mal ne’ Banane … Kauen aktiviert das Hirn.

    Aber ernsthaft: eine iranische Bombe wird es im 21. Jahrhundert unvermeidlich irgendwann geben. Ein Angriff auf die möglichen Produktionseinrichtungen wird höchstens einen Zeitgewinn bringen.

    Unter der kommenden atomaren Drohung gerät Israel daher auch ohne Krieg in Existenznot. Wer will da dann noch leben? Die gut ausgebildeten Einwohner werden langsam abwandern. Zurück bleiben Heloten und arme Leute – die üblichen Täter und Opfer.

    Der Ausweg: Israel muss sein Kernproblem lösen – die Palästinafrage. Solange mit den Palästinensern keine einvernehmliche Lösung gefunden wird, bleiben Krieg und Terror auf der Agenda. Ghetto-Palästina ist der Brandbeschleuniger für den ganzen Nahen Osten. Es liefert die Legimitation für alle Arten Irrsinn.

    Zeit für Israel, die Siedlungsbewegung zu stoppen und so die zerstückelten Gebiete zu konsolidieren. Wenn diese Vorleistung erbracht wurde, werden Verhandlungen neue Dynamik gewinnen. Das weiß auch die israelische Friedensbewegung.

    Klar, die üblichen Verdächtigen werden eine Deeskalationspolitik zunächst als ihren Sieg beanspruchen, sogar den Terror noch eine zeitlang intensivieren. Schließlich entzieht ihnen eine ernsthafte Friedenspolitik die Geschäftsgrundlage. Aber es ist Ausdruck der Stärke, sich nicht von Terroristen zu sinnfreier Vergeltung provozieren zu lassen.

    Nun kurz zum Iran: Dort können die gemäßigten Kräfte nur an Einfluss gewinnen, wenn der Westen die Dauerkonfrontation aufgibt. Mit Kriegsdrohungen werden die Fanatiker gestärkt.

    Ach ja, Iran wird auch keinen atomaren Suizid begehen, wie die bizarre „Analyse“ von Benny Morris in Der Welt menetekelt. Mein Kommentar mit o.g. Argumentation wurde dort übrigens gelöscht …Ich kann also nicht so verkehrt liegen 😉

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