Eve-23: Unsere neue Supernanny, ein Investment mit Zukunft …

Unser neues Kindermädchen ist eine hübsche Person, vorausgesetzt sie mögen kleine Asiatinnen. Eve-23 ist ein 1,50 Meter großes Stück koreanische Hightech.

Ein völlig autark operierender Android hütet den Nachwuchs nun und ich kann endlich wieder einen Vollzeitjob machen. Meine sechsjährige Tochter hat schnell Freundschaft mit Eve-23 geschlossen – mein Mann leider auch.

Zahlreiche unter der Silikonhülle angebrachte Miniaturmotoren sorgen schließlich für die menschenähnlichen Emotionsdarstellungen und Bewegungen im Gesicht und Körper des weiblichen Hauspersonals. Eve-23 kann auch definitiv entscheiden ob Lisa jetzt O-Saft oder Milch braucht. Wenn sich meine Tochter in Gefahr bringt, also womöglich am Treppengeländer langhangelt, dann kann Eve-23 auch autoritär werden, da wird sie zum Momster. Auch bissige Hunde und fremde Onkels haben nichts Gutes von Eve-23 zu erwarten. Aber die niedliche Androidin war teuer genug, da kann ich Perfektion erwarten. 480.000 Euro hat sie gekostet, dafür kann Eve-23 aber auch 1400 Märchen erzählen, hat eine Filmdatenbank mit über 400 Disney-Filmen und ist mit der neusten schmutzabweisenden Silikonbeschichtung ausgestattet.

Selbstverständlich habe ich Eve-23 nicht eigenfinanziert. Die KITEKK Corp. Europe hat Eve bezahlt. Die KITEKK Corp. bietet ihre Mitarbeiterinnen die E-Maid im Rahmen des 7. novellierten MitarbeiterInnenbeteiligungsgesetzes als Kapitalbeteiligungsmodell an. Das tut die KITEKK Corp. selbstverständlich nicht aus Uneigennützigkeit, wäre ja auch pervers. Ihre Anschaffungskosten trägt Eve-23 selber ab. Jede Nacht zwischen 22:00 – 06.00 stellt Eve-23 ihre Fähigkeiten der KITEKK Corp. zur Verfügung. Sollten Eves Dienste irgendwann nicht mehr auf dem Weltmarkt nachgefragt werden, tragen wir allerdings das volle unternehmerische Risiko. Würde Eve-23 unwahrscheinlicherweise schon vor ihrer Amortisation nicht mehr gebraucht, müssen wir den Restpreis aufbringen. Um die Finanzierung abzusichern, hat unsere ganze Familie je eine Niere an die KITEKK Corp. sicherheitsübereignet, aber wer wird gleich an das Schlimmste denken. Noch vier Jahre und die Nanny arbeitet voll auf unsere Rechnung, solange muss mindestens Bedarf für die kleine Koreanerin bestehen. Deshalb wählt die ganze Familie immer brav die Retro-Imp’s, die schaffen Nachfrage.

Was tut Eve eigentlich nachts so Besonderes, werden Sie fragen? Um ehrlich zu sein, sie fährt einen Crusher, ist also Panzerfahrerin. Das erzähle ich meiner Tochter lieber nicht, auch nicht das ihre Niere fällig ist, wenn Eve-23 und ihre Kolleginnen den Krieg gegen die chinesische Hegemonie widererwarten schon nächste Woche gewinnen. Eve-23 ist nicht bloß ein Kindermädchen, jede Nacht loggt sie sich über Sat-Com ins DefCon-System ein und stellt ihre speziellen Fähigkeiten der Freedom Defense Ldt. zur Verfügung. Dafür wird uns ein Mietpreis gutgeschrieben, den wir zur Refinanzierung unserer Androidin nutzen.

Die Nanny steuert ein Autonomic Destruction Vehicel, kurz ADV, bedient dessen Heckler & Koch 30 Milimeter Maschinen-Kanone und operiert autonom im Gefechtsfeld. Dabei kommuniziert sie mit ihren Schwestern und stimmt ihre Aktionen mit den anderen Waffensystemen des „Verbundenen-Gefechts“ ab. Währens sie das tut, sitzt sie völlig starr auf dem Stuhl im Ankleidezimmer, den Mund halb geöffnet, ganz fremd schaut sie dann aus. Bizarrerweise wurde die notwendige künstliche Intelligenz zur Interaktion mit anderen Mechaeinheiten ursprünglich zum Fußballspielen entwickelt. Als das KITEKK-Team 2047 die FIFA-Weltauswahl mit 8:0 besiegte, war jedem klar, dass Androiden alles können und das besser.

Vielleicht sollten ich ja doch noch einen künstlichen Gärtner einstellen, die Jungs gibt es jetzt zum Aktionspreis. So ein Gärtner tilgt seine Raten als Predatorpilot schnell und in der Garage ist noch Platz. Sinnigerweise wird er auch in Topgun-Design angeboten. Der Mecha schaut aus wie Tom Cruise. Das kostet natürlich extra. Die integrierte Software befähigt ihn zum Lenken von Predator-Kampfdrohnen.

Wenn ich so einen Tom- Mecha dazukaufe, brauchen wir zwar noch acht Jahre Krieg um schuldenfrei zu werden, aber dafür mäht das Ding auch den Rasen und bringt den Müll raus – im nassen Tanktop natürlich – das ärgert die Zicke von gegenüber.

Gerade kommt ein Videomail von KITEKK-News rein: Im Amazonasgebiet verschärfen sich die Unruhen weiter. Die Bolivaristen haben ein Kraftwerk gesprengt. Jetzt braucht Eve-23 dringend ein Update zum Steuern von Hovercrafttanks und den Gärtner ordere ich gleich morgen mit dazu.

Bestimmt läßt sich noch eine Rabatt rausschlagen, wenn ich das Antiaufstands-Upgrade dazu nehme!

Die Chefarztfrau

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