Praktische Ethik im Zeitalter der Posthumanität: Träumen Roboter von elektrischen Schafen?

Toyotas NannyWo fängt er eigentlich an, der Mensch? Wo hört er auf? Was ist dazwischen? Und wie fühlt sich das an, dazwischen und danach? Fragt sich auch die FAZ. Ganz allmählich verwischen die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.

Implantate und Prothesen waren nur der Anfang. Mittlerweile werden bereits Chips integriert und künstliche Organe durch neuronale Schnittstellen gesteuert. Prosthetic arm (courtesy of Elsevier/The Lancet – sehenswert)

Die Informationstechnologie ist vollständig mobil geworden und wir haben überall Zugriff auf das Weltwissen. Eine Frage der Zeit, wann der iPod im Innenohr dudelt oder das Handy an der Schädelkalote vibriert. Alles nur moderne Bequemlichkeiten und medizinische Wohltaten oder ist es mehr? Ist es möglich/wahrscheinlich, dass sich nicht nur unsere physischen und intellektuellen Fähigkeiten damit verändern, sondern auch die Seele: Chip im Ich? Was wird die Menschmaschine fühlen?

Während der Mensch sich langsam der Maschine nähert, versucht die Technik sich dem Menschen anzugleichen. Lernfähige Software, täuschend echt wirkende Robotermimik und -gestik, dazu exponential wachsende Speicher- und Rechenkapazität. Wann hört die reine Imitation auf und das Ding hat Bewusstsein und wer soll sich ein Urteil über die Existenz dieses Selbst anmaßen? Da sind schon die juristischen Fragen heikel. Zunächst wird mensch sich an der rechtlichen Position von Nutztieren orientieren, z.B. nach BGB :

Tiere/Robote sind keine Sache, werden aber als solche behandelt soweit es nicht anders bestimmt ist.

Bei der ethischen und womöglich gar der theologischen Einordnung wird es dann grundsätzlich und zwingt die Nichtmaschine-Mensch zunächstmal zur Selbstdefinition. Was ist Leben und was ist Tod? Projezieren wir solche Vorstellungen und Begriffe auf die neuen Maschinen, so wie wir unsere Haustiere vermenschlichen? Unser neues Kindermädchen ist eine hübsche Person, vorausgesetzt sie mögen kleine Asiatinnen …

Viele offene Fragen also – noch. Die Vermischung von Technik und Biologie ist der konsequente nächste Schritt in der Evolution und unvermeidlich. Die Maschinenmenschen sind unsere Kinder und wir sollten sie darum auch als solche behandeln. „Hallo ich bin die Aimée“

Ihre philosophischen Fragen werden diese Wesen besser selbst beantworten. Wir erwarten von einem Primaten schließlich auch keine relevanten Betrachtungen über unsere Existenz. Entscheidend wäre, dass die biologische Menschheit Posthumanität nicht mit Inhumanität verwechselt. Die unverzichtbare Frage lautet: Wie vermag „Menschlichkeit“ eine Gestalt zu haben außerhalb des Menschen? Zur Beantwortung ist die Kategorie „Humanität“ absolut notwendig. Bis heute wird sie in „posthumanen“ Entwürfen völlig außer acht gelassen und damit lediglich die Individualisierung und Isolation des Selbst auf die Spitze getrieben.

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