Lokführerstreik – freier Markt mal andersrum

Um 7:15 Uhr früh ist die Nachfrage im Regionalverkehr recht hoch, das Angebot an Fahrpersonal allerdings nur begrenzt.  Im freien Spiel der Kräfte sollte der Preis – nämlich die Entlohnung der Lokführer – also steigen.

Womöglich verhalten sich Herr Schell und Kollegen einfach nur marktkonform? Warum der Bahnkonflikt zum Lehrstück wurde …
Die Auflösung der Flächentarifverträge, die Entsolidarisierung der Arbeitnehmer und das allmähliche Ausbluten der klassischen Branchengewerkschaften – alles Ziele der sogenannten Wirtschaftsliberalen. Jetzt sind sie nach über acht Jahren Sabine Christiansen , Investitionen in Initiativen für neue soziale Marktwirtschaft und Lobbyarbeit bis tief in die Parteiführung der „Sozen“ hinein beinahe am Ziel – und dann das: Eine Berufsgruppe verhält sich einfach ebenso marktwirtschaftlich orientiert wie sonst nur Großkonzerne und Energiemonopolisten. 

Unerhört ist das! So unerhört, dass Herr Mehdorn und Bahn-Personalvorständin Frau Dr. Sukale jetzt sogar die gute alte Gerechtigkeit ins Feld führen. Ein erstaunlicher Paradigmenwechsel. Ob Herr Mehdorn seine Vergütung demnächst an den Abschlüssen seiner gefügigen Hausgewerkschaften Transnet und GDBA ausrichten wird?
Stimmt, der Scherz ist abgedroschen.

Viel realitätskonformer ist dagegen diese Vision: Die Loklenker werden durch Automaten ersetzt. Damit die Fahrgastpsyche nicht allzu sehr leidet, wird ein Ein-Euro-Jobber oder Praktikant die Funktion des Bordcomputers kontrollieren. Wenn die grüne Betriebsleuchte ausgeht, tritt er die Bremse – ganz einfach, das kann ja wirklich jeder. Das geht tarifpolitisch so lange gut, bis das neue Bahnprekariat eine gar einhundertprozentige Vergütungserhöhung fordert, nämlich unbeschreibliche 2,- (in Worten: ZWEI!) Euro. Und die Fahrgäste? Die ziehen die Notbremse bis zur Fahrpreissenkung. So einfach geht das!

3 Gedanken zu „Lokführerstreik – freier Markt mal andersrum

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