Besser Leben mit der Chefarztfrau

Überlassen Sie ihr Glück nicht länger dem Zufall. Es gibt zuverlässigere Methoden zur Steigerung der Lebensfreude. Weniger Arbeit, mehr Sex und höhere Steuern für glückspendende Staats- und Sozialausgaben.

Der Begriff Homo Ökonomicus beschreibt den Menschen als wirtschaftlich handelndes und denkendes Wesen. Wenn man diesem Denkmodell vom Human-Kapital bis in die letzte Konsequenz folgt, dann wird der freie Markt alles und jedes auf die beste aller denkbaren Weisen regeln – für den Einen oder Anderen. So hofft dieser Eine und die Anderen. Allerdings erreicht die glücksstiftende Wirkung individuellen Wohlstands relativ schnell ihren Grenznutzen.

Solange wir obdachlos, hungrig und krank genug sind, ist die Aussage „Geld macht glücklich“ definitiv zutreffend. Ungefähr bis zum Erreichen des Durchschnittseinkommens investieren die Konsumenten ihr Geld in die Verbesserung ihrer unmittelbaren Lebensumstände. Dann ist die Schwelle erreicht und das zusätzlich für Bequemlichkeit und Luxus ausgegebene Geld erbringt keinen echten Glücksmehrwert mehr. Das ist mehr als ärgerlich, schließlich mag man sich den Arsch doch nicht ganz umsonst aufreißen. Also müssen weiterführende Glücks-Konzepte her! Wer jetzt erwartet, ich würde den höheren Werten das altbekannte Jahresendloblied singen, hat sich getäuscht. Tatsächlich sind so esoterische Begriffe wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit oder gar Frieden absolutes Gift – für Konjunktur und Evolution.

Damit der Homo Ökonomicus auch bei Erreichen des biologischen Konsum-Grenznutzens weiter ordentlich funktioniert, müssen ihm kostenintensivere Glückskonzepte angeboten werden.

Besonders verläßliche Glücksstifter sind Neid und Prestige. Die funktionieren vom Sandkasten bis zum Pharaonenbegräbnis – bekenntnisübergreifend. Das schönste Förmchen, den schnellsten Wagen und am Ende noch die größte Pyramide (objektiv ein riesiger Steinhaufen – subjektiv das wortwörtlich ultimative Symbol für sozioökonomische Omnipotenz).

Aber Vorsicht! Neid ist ein zweischneidiges Schwert. Unglücklicherweise beneidet man ja viel öfter andere Leute, als das man selbst beneidet würde oder bemerkt den tollen Fremdneid, wenn vorhanden, einfach nicht. Für dieses Problem gibt es zwei Lösungen: Sie können noch mehr malochen, dann mit einem noch schnelleren Wagen noch schneller zur Arbeit fahren, um da noch länger zu fronen und schließlich werden Sie sogar noch früher in ihrer noch viel größeren Pyramide vermauert. Keine wirklich guten Aussichten oder? Keine Sorge, es gibt eine preiswerte Alternative:

Ziehen Sie in eine etwas schlichtere Wohngegend, meiden Sie allzu protzige Freunde und lesen Sie um Gotteswillen keine Live-Style-Magazine. Wenn Sie diesen Rat befolgen, sind Sie nicht nur der reichste Mensch in ihrer neuen Nachbarschaft, nein Sie haben auch viel mehr Zeit für die neuen Freunde, denn Sie müssen keine zwölf Stunden mehr auf der Arbeit verbringen. Statt dessen stärken Sie ihre soziale Kompetenz, in dem Sie ein Verhältnis mit der Frau ihres alten Nachbarn anfangen. Zeit haben Sie ja jetzt genug und die neuen Nachbarn wird das schwer beeindrucken (Prestige). Überhaupt sorgt Sex von allen denkbaren Tätigkeiten für die intensivsten Glücksgefühle, sogar mit der eigenen Frau – wenn Sie die Augen schließen und Ihre Phantasie ein wenig bemühen. Das ist nicht zuviel verlangt, Ihre Gattin praktiziert diese Methode schon seit Jahren.

Ich denke soweit konnten Sie mir noch folgen. Aber wie komme ich dazu zu behaupten, dass ausgerechnet höhere Steuern Ihr Glück vermehren könnten? Gerade habe ich dargelegt, dass höhere Einkommen nur unwesentliche Lebensqualitätsrenditen versprechen. In der Konsequenz sind die tatsächlichen Glückseinbußen durch höhere Steuern und Sozialabgaben daher gering. Womöglich kaufen wir uns durch hohe Staatsquoten sogar langfristig glückssteigernde Lebensumstände ein. Für die allermeisten Menschen zählt Sicherheit unbedingt zu den Grundvorrausetzungen hoher Lebensqualität. Die Staatsausgaben für Polizei und Rechtssicherheit sind also mittelbar glücksstiftend. Mindestens genauso erfreulich wirken Ausgaben für das Gesundheitswesen, das Bildungssystem, die Altersversorgung oder die Arbeitslosenversicherung.

Sicher, Sie können sich im Moment gerade noch nicht vorstellen, dass Sie jemals alt, arbeitslos oder gar ernsthaft krank werden könnten, aber seinen Sie sicher, irgendwann erwischt es jeden, versprochen. Ist diese unschöne Erkenntnis erst mal im Bewusstsein angekommen, verursacht sie Angst und Angst wirkt definitiv nicht beglückend. Was wäre, wenn Sie morgen durch eine unheilbare Krankheit für den Produktionsprozess unbrauchbar würden? Selbst die teuerste Therapie zwar Ihr Leben verlängert, aber Sie nie mehr arbeitsfähig machen könnte? Zack! Einfach so vom Produktionsfaktor zur Kostenstelle degradiert.

Wenn man die Ratschläge der bewährten Fachidiotie konsequent zu Ende denkt, bleibt dann nur das sozialverträgliche Frühableben. Wenn Sie die Bilanzen gewisser armer Leute nicht mit Sozialabgaben belasten wollen, müssten Sie um des freien Marktes Willen ihre unproduktive Existenz beenden. Vielleicht lesen Sie Ihre nächste Gehaltsabrechnung jetzt mit ganz anderen Augen? Über unsinnige Staatsausgaben können Sie sich nun erst recht ärgern, aber unser Sozialsystem kann kein klar denkender Mensch ernsthaft in Frage stellen.

Ach übrigens, Prestige kann man sich prima selbst organisieren. Bilden Sie Lobhudelei-Kartelle. Machen Sie den Anfang. Loben Sie mich jetzt öffentlich für diese scharfsinnige Analyse. Ich werde Sie an prominenter Stelle zurückloben,  versprochen!

2 Gedanken zu „Besser Leben mit der Chefarztfrau

  1. Pingback: The Fellow Passenger » Lobhudelkartell

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.