Unbemerkt zur Expeditionsstreitmacht – Deutschlands ambitioniertes Flottenbauprogramm

Screenshot Silent HunterOhne nervige öffentliche Diskussionen wird die Marine durchsetzungsfähig bei Operationen in weit entfernten Randmeeren gemacht (O-Ton Friedensministerium).

Hat eigentlich jemand gefragt, ob wir das so wollen? Na egal, jetzt ist es nämlich zu spät! Hier mal ein kleiner Überblick, wofür euer Geld ausgegeben wird:

Klar, U-Boote sind immer gut und für deutsche Marinestrategen ein absolutes Muss. Schließlich gelang es ihnen mit dieser Waffengattung – zum Glück – noch jeden Krieg zu verlieren. Also ist das neue Tauchgerät quasi submariner Pazifismus pur. Dieser Logik folgend, wird der neue Bootstyp 212 unsere/eure Friedfertigkeit auf den Weltmeeren angemessen dokumentieren. Vier Boote mit außenluftunabhängigem Brennstoffzellenantrieb (Klimaschutzboote?) sind schon für euch unterwegs. Zwei sollen noch folgen. Kosten pro Boot ca. 432 Millionen Euro, dafür gibt’s als Extra eine tropentaugliche Klimaanlage.

U 31 – Indienststellung 19.10.2005
U 32 – Indienststellung 19.10.2005
U 33 – Indienststellung 13.06.2006
U 34 – Indienststellung 03.05.2007
U 35 – Indienststellung gepl. 2012
U 36 – Indienststellung gepl. 2013
Mehr zur Klasse 212 A >>

Summe: 3,47 Milliarden Euro

Schon fertig sind auch die tollen Fregatten vom Typ F 124, der Sachsen-Klasse (Die Schiffe haben Namen wie sonst nur die Schlafsäle in Jugendherbergen). Für den Spottpreis von nur 2,1 Milliarden Euro seid ihr nun Besitzer dieser drei Schiffchen:

F 219 SACHSEN – Indienststellung: 04.11.2004
F 220 HAMBURG – Indienststellung: 13.12.2004
F 221 HESSEN – Indienststellung: 21.04.2006
Mehr zur Sachsen-Klasse >>

Summe: 2,1 Milliarden Euro

Ganz neu und wirklich mal ein richtig aggressives Wassersportgerät sind die hochseetüchtigen Korvetten vom Typ K 130, der Braunschweig-Klasse.

Testschuss RBS 15 // Copyright: Saab Bofors DynamicsAusgerüstet mit dem Raketen-System RBS 15 können wir jetzt endlich (juchhu!) auch Landziele „ansprechen“. Für 30 dieser Flugkörper überweisen wir der Firma Saab nur schlappe 60 Millionen Euro. Eigentlich hätte das Verteidigungsministerium gerne 15 Korvetten gehabt. Blöderweise sind die Teile aber mit einem Stückpreis von ca. 300 Millionen Euro kein wirkliches Schnäppchen.

F 260 BRAUNSCHWEIG – Indienststellung Mai 2007
F 261 MAGDEBURG – Indienststellung Nov. 2007
F 262 ERFURT – Indienststellung Apr. 2008
F 263 OLDENBURG – Indienststellung Aug. 2008
F 264 LUDWIGSHAFEN – Indienststellung Nov. 2008
Mehr zur Braunschweig-Klasse >>

Summe Schiffe inkl. Raketen: 1,56 Milliarden Euro

Aber damit nicht genug. Das mit Abstand größte Rüstungsprojekt ist auch schon unter Dach und Fach gebracht:

Die nächste Fregattengeneration, die Klasse F 125 wird euch Langzeiteinsätze auf allen Welt- und Randmeeren ermöglichen. Mit einer 155 Millimeter Haubitze und tollen Mehrfachraketenwerfern können Leute im Umkreis von 70 Kilometern final befriedet werden. Zu allem Überfluss bietet dieser Schifftyp gemütlichen Wohnraum für eine fünfzigköpfige Sondereinsatzausflugsgruppe und Platz für deren Speedboote. Die Bauverträge für vier Schiffe sind bereits unterzeichnet. Konkrete Angaben zum Auftragswert wurden allerdings bisher nicht gemacht. Gut unterrichtete Kreise sprechen aber von einem Gesamtauftragvolumen von mindestens 2,3 Milliarden Euro.                                               Mehr zur F 125-Klasse  >>

Summe: 2,3 Milliarden Euro

Baukosten des aktuellen Flottenprogramms ohne Zubehör wie Helikopter, Munition, Ausbildung, Hafenanlagen usw. – mindestens 9,43 Milliarden Euro!

Neben all diesen Groß- und Kleinkampfschiffen will das Friedensministerium 500 Millionen Euro in die Modernisierung des alten Transporthubschraubers CH 53 investieren. Nicht mehr mit Priorität verfolgt, wird dafür zur Zeit die Beschaffung des neuen Marine-Hubschraubers MH 90 sowie die zweite Tranche des Hubschraubers NH 90. Die 80 MH 90 sollen 1,4 Milliarden Euro kosten und die 42 Maschinen vom Typ NH 90 rund eine Milliarde. Aber wie gesagt, die Anschaffung ist nur zurückgestellt. 2,4 Milliarden Euro werden im Sozial- oder Bildungssystem ja wohl noch mobilisierbar sein. Und überhaupt, wo sind denn die Flugzeugträger? So sieht eine anständige Flotte aus >> und so der Gegner >>

2 Gedanken zu „Unbemerkt zur Expeditionsstreitmacht – Deutschlands ambitioniertes Flottenbauprogramm

  1. Chefarztfrau

    Anm. d. Red.:

    Wie die entsetze LeserInnenschaft sicher bemerkt hat, leidet der Autor an einer perversen Vorliebe für maritime Mordinstrumente. Das hat einen Grund: Im zarten Alter von acht Jahren erhielt er den Bildband „Die großen Schlachtflotten“ geschenkt.
    In den folgenden zwei Jahren versuchte Herr O. dann die gesamte Naziflotte in Plastikmodellen zu reanimieren. Taschengeldmangel setzte dem ehrgeizigen Rüstungsprojekt schließlich ein vorzeitiges Ende – sehr zur Freude seiner pazifistischen 68er-Eltern.

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