evangelikal marktradikal scheißegal

Glauben hilft, hilft besonders den protestantischen Markt-Apologeten. Verhilft ihnen zu genügend Selbstbeschwätzigkeit, um sich unheilige Faktizitäten zu verbeten.

Die Hand GottesWas Liberalismus und Systemtheorie mit Religion zu schaffen haben, hatte sich die Chefarztfrau schon im November 2008 gefragt und eine Antwort gefunden. Jetzt lässt sich die Neigung zur Voodoo-Ökonomie hierzulande auch konfessionell konkret verorten:

Abbildung: Jahwe hat die besseren Karten. Adam braucht Kredit. Ergo Erbschuldverschreibung.

Für den CDU-Fraktionschef Volker Kauder etwa gilt die Bibel (nicht das Grundgesetz!) im wortwörtlichen Sinne als verbindlich und der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke bekennt mutig: «Wenn es eine aufsteigende Linie gibt von ‚gläubig‘ bis ‚evangelikal‘, dann bin ich da irgendwo am oberen Ende

Die Jungs werden sich kaum Sorgen um einen ausgeglichenen Staatshauhalt machen müssen. Bis zur Apokalypse kann es schließlich nicht mehr sooo lange dauern und bis dahin läuft die Sache halt wie mit dem Brot und den Fischen. So what?

Tja, und wenn diese Art Kopftuchmädchen, die ökonomischen Misserfolg und Krankheit für Produkte mangelnder Gottesfurcht halten, auch noch unsere Sozialpolitik mitgestallten, dann wird das ein höllischer Spaß. Da lernt sich das Beten von ganz alleine.

Der Rest der Theokraten lässt sich derweil vom Dalai Lama weiße Schals umbinden. Die Karma-Lehre wirkt nämlich ähnlich verantwortungsentlastend wie das Alte Testament.

Insgesamt lässt sich somit feststellen: Haushaltsfragen sind Glaubensfragen und als solche unbedingt zu respektieren. Bitte mehr Respekt für den bronzezeitlichen Hirten in uns allen. Lasst die Herde im Diesseits tüchtig büßen, posthum könnte es eng werden.

Napalm, Splitterbomben und die Schwarzen Pocken – Seht in meinem vorläufigen Gewaltverzicht einen Akt zivilisatorischer Hebung. Atheisten tun so was schließlich nicht, nicht mal Antitheisten. Aber vor die Füße kotzen, das wäre allemal okay oder?

2 Gedanken zu „evangelikal marktradikal scheißegal

  1. Pingback: chefarztfraulicher:beobachter

  2. lebowski

    „Haushaltsfragen sind Glaubensfragen.“

    Klaro! Ich höre immer Worte wie Schuldenbremse (anscheinend wurde das Bremskabel durchgeschnitten), Haushaltskonsolidierung usw..
    Da muss man dran glauben. Denn wers glaubt, wird selig und nur darum gehts.

    By the way. Wie sagte Laotse:

    „Geht der große Sinn zugrunde,
    so gibt es Sittlichkeit und Pflicht.
    Kommen Klugheit und Wissen auf,
    so gibt es die großen Lügen.
    Werden die Verwandten uneins,
    so gibt es Kindespflicht und Liebe.
    Geraten die Staaten in Verwirrung,
    so gibt es die treuen Beamten.“

    ..und steigen die Verbindlichkeiten ins Unermessliche,
    gibt es die Schuldenbremse.

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