SAR-Lupe: Raumpatrouille 2.0 – Spionagesatelliten und was dann?

Rücksturz zur Erde?Bis Ende 2008 ist das Satellitensystem SAR-Lupe einsatzbereit. Damit verfügt Deutschland als einziger EU-Staat über ein eigenes weltraumbasiertes Radar-Aufklärungssystem. Sehr erfreulich oder?

Na klar ist das eine Erfreulichkeit, findet zum Beispiel die OHB-Technology AG. Die hatte am 1. Dezember 2006 vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung den Auftrag zur Realisierung des Projektes erhalten. Das Auftragsvolumen beträgt 87 Millionen Euro. Wen wundert es da, dass auch die OHB-Aktionäre mit feiern dürfen: Chart der OHB Technology Aktie (WKN: 593612)
Ebenso begeistert ist Herr Brigadegeneral Kriesel. Er erklärt stolz, sicher zu sein, mit den fünf Radar-Satelliten technisch an der „Weltspitze“ zu stehen/schweben. Tatsächlich verfügen nur die USA und Russland über vergleichbare Gerätschaften, bloß eben etwas älter. Und ganz besonders tiefe Freude wird selbstverständlich unser Expeditionscorps am Hindukusch empfinden. Schließlich gibt’s demnächst bis zu sechsmal am Tag aktuelle Aufnahmen von feindliche Aktivitäten und „ansprachewürdigen“ Zielen aus dem unmittelbaren Gefechtsfeld. (german-foreign-policy: Verschmelzung …)

Soweit die Ode an die Freude. Doch wo Freude herrscht, sind meist die Neider nicht mehr wirklich weit. Sehr naheliegend wäre, dass sich die Taliban von den Weltraumspannern belästigt fühlen könnten. Alleine das stellt für unsere Raumflotte natürlich keine ernstliche Bedrohung dar. Viel bösartiger sind da die Chinesen. Wenn die nämlich mal nicht als Billiglöhner vergiftete Barbiepuppen pressen, geben sie sich einem üblen Laster hin – der Satellitenjagd:

Fälschung oder Grund zur Besorgnis? Unter dem Rumpf des Bombers ist ein Raumgleiter mit Hitzeschild zu erkennen.

Sei es mit Laserwaffen, rustikalen Gerätschaften wie Anti-Satelliten-Raketen oder gar noch verwegeneren Methoden: Entwickelt China einen wiederverwendbaren Raumgleiter?

Ein potentieller Hauptgegner ist also schon im Orbit aktiv. Überhaupt ist der Weltraum zwar luftleer, aber keines Falls feindfrei. Der Befehlshaber der Weltraumtruppen der Russischen Föderation Generaloberst Popowkin erkannte das auch schon. Er erklärte am 12. Oktober 2006 zum Thema Orbitalrüstung:

Wenn kosmische Angriffsmittel von ausländischen Staaten entwickelt und entfaltet werden, so muss die Russische Föderation darauf gefasst sein, adäquate defensive und offensive Maßnahmen zu ergreifen. (Quelle: RIA Novosti)

Mal ehrlich, solche Überlegungen werden doch bei uns auch bald auf der Tagesordnung stehen. Den Amerikanern können wir das orbitale Schlachtfeld eher nicht überlassen, die kriegen ja keinen mehr hoch.

Bleibt die Frage, ob wir dummen D-länder das überhaupt so wollen, wie es kommen soll? Weil unsere Antwort womöglich nicht ganz so enthusiastisch ausfiele, werden wir halt nicht gefragt. So einfach ist das: Der Rücksturz zur Erde fällt also aus – vorerst.

[Bildnachweis: Screenshot Raumpatrouille via YouTube]

1 thought on “SAR-Lupe: Raumpatrouille 2.0 – Spionagesatelliten und was dann?

  1. Pingback: chefarztfraulicher:beobachter » Aufklärungsfrage

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.