Kleine Asozialitäten aus der BundesAgentur: Krankheitsbedingter Mehrbedarf wird nur noch nach Body-Mass-Index gewährt.

12. Februar 2009 – Das ALG-II und die Grundsicherung (Alter/Erwerbsminderung) bietet, bei entsprechender Indikation (Krebs, Aids, Multiple Sklerose und ähnlicher Horror), die Möglichkeit einen sogenannten Mehrbedarf für Ernährung aufgrund einer verzehrenden Krankheit geltend zu machen. Als Voraussetzung für diese überaus generöse Sozialleistung (25,56 Euro monatlich) genügte bisher eine einfache ärztliche Bescheinigung. Das ist nun anders. Und wir (die BundesbürgerInnen) haben einen Grund zum Fremdschämen mehr.

Das sei nämlich alles viel zu einfach, dachte sich ein (von uns!) gutbesoldetes Beamtenkind: «Die fressen sich nen’ Ranzen vorm Plasma-TV an, während ich mir im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. eine Aktenstaublunge ventiliere.» (Gedanke entsprechend Sarrazin & Co.) Also hat das arme Ding die Anlage MEB um folgenden klugen Passus ergänzt:

Ernährung 2009

… Fällt der BMI unter 18,5 und/oder ist ein schneller, krankheitsbedingter Gewichtsverlust von über 5 Prozent im Vergleich zu den vorausgegangen drei Monaten zu verzeichnen, kann von einem erhöhten Ernährungsbedarf ausgegangen werden (nicht bei willkürlicher Abnahme bei Übergewicht). Dies muss ebenso, wie das Vorliegen einer solchen Krankheit, durch einen Arzt bestätigt werden.

In der Konsequenz bedeutet obige Ergänzung, dass Leistungsverzehrern – die sich durch staatlich gesponserte Ernährung einen BMI von 19 (180 Zentimeter, 60 Kilogramm) anfressen – der Ernährungszuschuss solange gekürzt wird, bis das anschmarotzte Fett wieder abgehungert ist. Dieses Verfahren ist bereits gängige Praxis.

Ob Zusatzleistungsverzehrer demnächst regelmäßig von den Argen vermessen und gewogen werden, bleibt abzuwarten. Nach dem Wiegen sollte den Kostgängern aber unbedingt auch mal ins Maul geschaut werden. Schließlich müssen etwaig vorhandene Goldzähne verwertet werden, bevor sich die Solidargemeinschaft in Anspruch nehmen lässt. Irgendwo muss das Geld für JC Flowers und Konsorten herkommen. Nicht, dass uns die notleidenden Banken noch vom Fleisch fallen. Übrigens: Der Chef der BA, Frank-Jürgen Weise ist Mitglied von ProChrist. Der Verein organisiert Großevangelisationen. So viel Nächstenliebe muss sein, aber dann ist auch genug!

By the Way: Wäre das nicht eine Profilierungsmöglichkeit für den DMSG-Schirmherrn Christian Wulff – oder müssen wir uns den Kerl ohne Gegenleistung bei jedem Klick auf die DMSG-Seiten im Heather anschauen? Hier kann frau Ihn fragen, was er von der Sache hält. Hoffentlich ist er kein Glaubensbruder von Herrn Weise.

PS: Ich schäme mich wirklich für den Vorgang. Schließlich handeln die BA-Beamten mittelbar auch in meinem Namen. So ist das in der Demokratie – es bleibt letztlich unsere Verantwortung.

Alexander Otto
… zurück in die myelounge »
Disclaimer/Haftungsausschluss

7 Gedanken zu „Kleine Asozialitäten aus der BundesAgentur: Krankheitsbedingter Mehrbedarf wird nur noch nach Body-Mass-Index gewährt.

  1. Pingback: chefarztfraulicher:beobachter » Die Verteidigung der realexistierenden Plutokratie*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.